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Was hat es mit dem Wort Polygamie auf sich?  Es auch nur auszusprechen, lässt Augenbrauen hoch gehen, entlockt abfällige Bemerkungen oder fordert zu derben Scherzen auf.  Seit dem 19. Jahrhundert, als die Konzepte des Orientalismus und Kolonialismus das westliche Denken beherrschten, hat die Kombination der Worte Polygamie und Islam, Visionen von dunkelhäutigen arabischen Männern umgeben von sexuellen Spielereien gezaubert.  In jüngerer Zeit ist es dazu gekommen, dass das Wort Polygamie Patriarchen der fundamentalistischen Kirche der Heiligen der letzten Tage zu repräsentieren, die sexuelle Beziehungen mit minderjährigen Mädchen hatten.

Während beide Bilder sicherlich den Enthüllungen der Sensationsmedien entstammen, könnten sie von der Wahrheit nicht weiter entfernt sein.  Die Wirklichkeit der Polygamie ist, dass es eine Ehekonstellation ist, die einigen Menschen in manchen Situationen von Nutzen sein kann.  Es ist keine Handlungsweise, die auf den Mittleren Osten oder auf muslimische Länder beschränkt ist, sie ist tatsächlich auf der ganzen Welt zu finden und reicht über Kulturen und Religionen hinaus.  Polygamie existierte in der Antike und florierte unbemerkt tausende von Jahren.

Im 21. Jahrhundert erlebt Polygamie und ihre vielfältigen Auswirkungen und Komplikationen eine derartige Wiederbelebung, wenn auch durch die Unterstützung der aufmerksamen Medien.  Populäre Realityprogramme der United States, die die überaus erfolgreiche Oprah Show und das Discovery Network’s TLC haben die Aufmerksamkeit auf Polygamie in Nordamerika gelenkt, wo Polygamie wiederholt in die Schlagzeilen geriet.  Der vierte Präsident Südafrikas nach der Apartheid, Jacob Zuma, ist Polygam mit drei Frauen.     

Auf der ganzen Welt sprechen Gegner der Polygamie über die Ausnutzung und den Missbrauch von Frauen und beschreiben Polygamie als eine altmodische und mittelalterliche Praktik.  Dies ist allerdings nicht das, was wir von modernen Frauen hören, die gegenwärtig in polygamen Beziehungen leben.  Diese Frauen sprechen über Entscheidungsfreiheit, Religionsfreiheit und die Bande der Schwesternschaft zwischen Ehefrauen.  Polygamie ist nicht, dass ein Mann mehrere Frauen beherrscht und missbraucht.  Es ist über erwachsene Männer und Frauen, die eine Form der Ehe wählen, die ihren Bedürfnissen, Wünschen und Bestrebungen entspricht.

 Der Islam hat die Polygamie in der Welt nicht eingeführt, er hat Einschränkungen und Bedingungen für dieses einzigartige Ehearrangement eingeführt, um zu sichern, dass kein Missbrauch stattfindet.  Wie auch immer, bevor wir weiter die Verbindung zwischen Islam und Polygamie besprechen, könnte es nützlich sein, den Begriff Polygamie zu definieren. 

Polygamie bedeutet, mehr als einen Ehegatten zur gleichen Zeit zu haben.  Es kommt von zwei griechischen Worten, polys bedeutet viele und gamos bedeutet Ehe.  In Wirklichkeit gibt es drei Formen der Polygamie; Polygynie, wenn ein Mann mit mehreren Frauen verheiratet ist; Polyandrie, wenn eine Frau mit mehreren Männern verheiratet ist; und eine dritte Form, wo mehrere Ehemänner mit mehreren Frauen verheiratet sind.  Auf der ganzen Welt existieren alle Formen in unterschiedlichen Graden in den verschiedene Kulturen.  Allerdings ist im Islam nur eine Form der Polygamie erlaubt – Polygynie. 

Es ist nicht korrekt, anzunehmen, die christliche und jüdische Religion seien der Polygamie gegenüber immer feindlich eingestellt gewesen sei.  Polygynie wurde in der gesamten Geschichte der drei monotheistischen Religionen - Judentum, Christentum und Islam praktiziert.  Die Thora und die Bibel verpönen die Polygamie nicht; einige der geschätzten und respektierten Propheten und Könige haben Polygamie praktiziert, einschließlich Abraham, David, Jakob und Salomo.  Während es keine Verdammung gibt, gibt es auch keine Einschränkung für die Ausübung der Polygamie. 

Alle drei monotheistischen Religionen wurden der Misogynie beschuldigt, und sicherlich manche Geschichten und Überlieferungen tendieren dazu, dies zu bestätigen, besonders wenn Frauen als Eigentum angesehen werden, und wenn Polygamie ohne Einschränkungen oder Regeln praktiziert wird.  Der Islam hat jedoch die Zahl der Ehefrauen eingeschränkt, die ein Mann nehmen darf, und Gesetze erlassen, die  Ehe mit einer Gleichstellung der Geschlechter in Einklang bringen.  Die Ungleichheit, die zwischen muslimischen Männern und Frauen existiert, basiert auf kulturellen Verirrungen und werden vom islamischen Gesetz nicht angenommen.

Frauen werden im Qur´an als den Männern gleich beschrieben, und die Lehren des Islam verankern die Rechte und Verantwortungen eines jeden Mitglieds der menschlichen Rasse.  Unterschiede zwischen den Geschlechtern werden anerkannt.  Ein Leben oder ein Geschlecht ist nicht mehr wert als ein anderes.  Der Islam baut Respekt, Toleranz und Anstand auf, die in den ursprünglichen Lehren des Judentums und des Christentums innewohnten und enthüllt sich selbst als Lebenskodex für alle Menschen zu jeder Zeit und an jedem Ort.  Die Polygamie, die im Islam gestattet ist, mindert die Rechte oder die Gleichheit von Frauen um kein bisschen. 

Der Islam hat eine bereits wohl etablierte Handhabung, die Polygynie, genommen und Regeln aufgestellt, die davor schützen, dass Chaos und Missbrauch in die Familienstruktur einziehen können.  Eine ausgeglichen funktionierende Familie, wo die Rechte aller Mitglieder aufrechterhalten und respektiert werden, ist der Eckpfeiler des Islam.  Eine anständige und menschliche Gemeinschaft entspringt dieser Familienstruktur, und sie basiert auf realistischen Vorstellungen der Gleichheit der Geschlechter. 

Polygynie ist nur eine Möglichkeit, wie einwilligende Männer und Frauen zu einer wohl abgerundeten, Gesellschaft frei von Unmoral und Degradierung beitragen kann, und sie ist unter bestimmten, gut dokumentierten Umständen gestattet.  Polygynie ist weder ein festes Dogma, das dem Islam innewohnt, noch ist sie in irgend einer Weise verpflichtend.  Der Qur´an hat einem Mann erlaubt,  höchstens vier Frauen zu heiraten, und jede nachfolgende Frau genießt dieselben Rechte und Privilegien wie die erste.  Frauen werden nicht ohne ihre Zustimmung zur Mehrehe gezwungen,

Frauen, die den Islam praktizieren, haben bestimmte unverletzliche Rechte, die Gott Selbst ihnen gegeben hat, und einige besondere betreffen die Ehe.  In eine polygame Familie hineinzuheiraten, bedeutet nicht, dass einige dieser Rechte aufgehoben seien oder sich verändern.   Die Rechte der Frau verändern sich nicht und werden auch nicht in Frage gestellt, wenn eine zuvor gewesene monogame Ehe polygam wird.  Eine Ehe im Islam ist eine Partnerschaft zwischen Menschen, die danach streben, Gott zufrieden zu machen, indem sie auf ein anständiges, stabiles Leben hinarbeiten.  Männer und Frauen sind frei, ihre Partner auszuwählen, die zu ihnen passen, und der Islam zieht die Launen der menschlichen Natur in Betracht.

Frauen im Islam verfügen über Rechte, von denen Frauen im Westen vor nur 100 Jahren geträumt haben.  Muslimische Frauen waren die ersten, die Eheverträge besaßen, und die an Politik und Wissenschaft Anteil hatten, als Frauen im Westen noch nicht mal Lesen und Schreiben konnten.  Polygynie wahrt die Rechte der Frauen, und ist ein gültiges Ehearrangement, das von Natur aus die Gleichheit der Geschlechter akzeptiert.  Doch das Wort Polygamie (die Variation Polygynie eingeschlossen) schafft eine Atmosphäre der Furcht.  Was gibt es an der Polygamie, das wir am meisten fürchten? 

Ist es, dass Polygynie der wahren Natur von Männern und Frauen Rechnung trägt?    Alternativ dazu, ist es vielleicht, dass die Mehrzahl derer, die Polygynie praktizieren, moralisch einwandfreie Leben führen?  Was ist mit dieser modernen Gesellschaft, die schlechtes Verhalten erlaubt und sogar heiligt?  Männer und Frauen gehen Beziehungen ein und trennen sich wieder, ohne Gedanken für einander oder resultierende Kinder zu verschwenden.  Die Unantastbarkeit der Ehe hat sich zu einer Serien-Monogamie und de facto Beziehungen gewandelt.  Männer werden ermutigt, Geliebte und Freundinnen zu nehmen, aber wenn ein Mann mehr als eine legale Frau heiraten will, um die Verantwortung für sie und ihre Kinder zu übernehmen, wird er als Sittenstrolch oder Wüstling verdammt und gebrandmarkt.

Selbst in der muslimischen Welt werden Männer und Frauen, die Polygamie praktizieren, manchmal verdammt.  Allerdings ist die Absurdität solcher Bemerkungen immer deutlicher.  Die Polygamie schlängelt sich langsam wieder in die populäre Kultur.  Selbst Fernsehserien wie HBO’s Big Love und das ägyptische Drama, The Family of Hajj Metwalli, fangen an, Polygamie als gültigen Lebensstil zu portraitieren.  Das Wort Polygamie zwingt uns, uns mit Themen zu befassen, die sich mit grundlegenden menschlichen Natur befassen.  Menschen und Gemeinschaften auf der ganzen Welt, Muslime und Nicht-Muslime gleichermaßen, erforschen polygame Alternativen.  Sie betrachten eine Eheoption mit einer langen und gültigen Geschichte und fragen sich, was sie Bürgern im 21. Jahrhundert zu bieten hat. 

 

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