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Muslime informieren sich über ihre Religion aus zwei grundlegenden Quellen: dem „Koran“ und der „Sunna“ des Propheten Muhammad.

Der Koran

„...Der Koran ist nicht übersetzbar. ... Das Buch wurde hier beinahe wörtlich wiedergegeben, und es wurde jede Anstrengung unternommen, eine angemessene Sprache zu wählen. Doch das Ergebnis ist nicht der Edle Koran, diese unnachahmliche Symphonie, deren bloßer Klang Menschen zu Tränen rührt und in Ekstase versetzt. Es ist lediglich ein Versuch, die Bedeutung des Koran - und vielleicht etwas von seinem Zauber - in englischer Sprache darzustellen. Es kann niemals die Stelle des Koran in arabischer Sprache einnehmen, und das soll es auch gar nicht...“Marmaduke Pickthall, The Meanings Of The Glorious Quran.

„Auf Grund seiner besonderen Struktur eignet sich das Arabische ausgezeichnet für eine prägnante, epigrammatische Ausdrucksweise. Der Islam nutzte diese Eigenschaft der Sprache und diese psychologische Besonderheit ihrer Menschen voll aus. Daher der „übernatürliche Charakter“ von Stil und Gestaltung des Koran, der von Muslimen als stärkstes Argument vorgebracht wird, das für die Echtheit ihres Glaubens spricht. Der Triumph des Islam war bis zu einem gewissen Grad der Triumph einer Sprache, insbesondere der eines Buches.“Philip Hitti, The Arabs: A Short History, S. 26-27, 1943 Princeton University Press 

Für Muslime ist der Koran das tatsächliche Wort Gottes, das Er Seinem Propheten Muhammad durch den Engel Gabriel offenbarte.

„Die Offenbarung des Buches (des Koran) ist vom Herrn der Welten“

(Koran 21:2)

Der arabische Koran ist etwa so lang wie das Neue Testament der Christen. In den meisten Ausgaben beträgt sein Umfang 400 bis 600 Seiten. Der Koran umfasst mehr als sechstausend Verse (Arabisch: aa-yat), die über dreiundzwanzig Jahre hinweg offenbart wurden. Die Verse sind in 114 Suren (Kapiteln) unterschiedlicher Länge zusammengefasst.

Im Unterschied zur hebräischen Bibel und dem Neuen Testament wurde der Koran von den Lippen eines einzigen Menschen hervorgebracht, der rezitierte, was er vom Engel Gabriel gehört hatte. Des Weiteren sind die heiligen Schriften sowohl der Juden als auch der Christen jeweils Sammlungen zahlreicher Bücher, geschrieben von verschiedenen Menschen, die weder zur selben Zeit noch am selben Ort lebten.

Den Koran gibt es sowohl in mündlicher Rezitation als auch niedergeschrieben in Buchform. Für die Muslime ist der Koran nicht nur „ein Buch“, sondern „das Buch“. Und doch steckt die wahre Kraft des Koran nach wie vor in seinem mündlichen Vortrag.

Was ist das Besondere am Koran?

  • Von allen wichtigen heiligen Schriften existiert nur der Koran in der Sprache seiner ursprünglichen Offenbarung – dem Arabischen.
  • Der arabische Koran ist nicht dasselbe wie seine Übersetzung. Die Bibel ist die Bibel, ganz gleich, in welcher Sprache sie vorliegt, doch eine Koran-Übersetzung ist nicht das Wort Gottes. Der „Koran“ – das sind genau die arabischen Worte, die von Gott gesprochen und auf Arabisch dem Propheten Muhammad offenbart wurden. Gott sagt im Koran: „

    Wir haben es als einen arabischen Koran hinabgesandt.“

    (Koran 12:2)

  • Wie die Muslime glauben, ist der Koran das einzige von Gott offenbarte Buch, das seit 1400 Jahren unverändert geblieben ist. Der Koran, der heute gelesen und rezitiert wird, ist genau derselbe Koran, der zur Zeit des Propheten des Islam gelesen und rezitiert wurde.
    • Die Entwicklung eines Embryos wird im Koran korrekt beschrieben (Koran 23:12-14). Und zwar so eindrucksvoll, dass ein weltbekannter Experte auf diesem Gebiet, Dr. Keith Moore,[1] sagte: „Für mich ist es klar, dass Muhammad dieses Wissen von Gott erhalten haben muss, denn beinahe alle diese Entdeckungen wurden erst viele Jahrhunderte später gemacht.  Das zeigt meiner Meinung nach, dass Muhammad ein Prophet Gottes gewesen sein muss.“[2]
    • Die Sonne ist nicht unbeweglich, sondern bewegt sich in einer bestimmten Richtung.

      (Koran 36:38)

    • Die Tatsache, dass Lebewesen überwiegend aus Wasser bestehen, wurde erst nach der Erfindung des Mikroskops bekannt, doch der Koran besagt:

      „(Wir haben) aus dem Wasser alles Lebendige gemacht. Wollen sie denn nicht glauben?“

      (Koran 21:30)

    • Dass Berge „pfahlähnliche“ Wurzeln aufweisen, wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts bekannt, nachdem die Theorie der Plattentektonik aufgestellt worden war; im Koran allerdings steht:

      „Haben Wir nicht die Erde zu einer Lagerstatt gemacht und die Berge zu Pfählen?

      (Koran 78:6-7)

Schließlich führen die Muslime für die Behauptung, dass der Koran das wahre Wort Gottes sei, mehrere Gründe an:

Das literarische Wunder des Koran

Der arabische Koran gilt als unnachahmlich; es gibt nichts, was ihm gleichwertig wäre. Mögen die Menschen sich auch noch so sehr anstrengen, sie werden doch nicht in der Lage sein, etwas zu schaffen, was ähnlich ist an Schönheit, Eloquenz oder Weisheit. Frühere Propheten erbrachten den Beweis ihres Prophetentums, indem sie Wunder vollbrachten. Der Koran ist das lebendige Wunder des Propheten Muhammad, der nie zur Schule gegangen ist. In seinem ganzen Leben las er nie ein Buch und erhielt nie Unterricht. Wie konnte ein Mann, der im modernen Sinn des Wortes ungebildet war, im Alter von vierzig Jahren plötzlich ein Buch von höchster Eloquenz hervorbringen?

Die wissenschaftlichen Wunder im Koran

Der Koran beinhaltet wissenschaftliche Informationen, die vor 1400 Jahren unbekannt waren. Hier ein paar Beispiele:

War war die Quelle dieser Informationen? Die einzige einleuchtende Antwort ist die, dass es Gott war, der dem Propheten Muhammad den Koran herabgesandt hat.

„Und wenn ihr im Zweifel über das seid, was Wir Unserem Diener (Muhammad) offenbart haben, dann bringt doch eine Sura gleicher Art bei.“

(Koran 2:23)

Inhalt und Lehre des Koran

Im Koran spricht Gott in der ersten Person und beschreibt Sich Selbst, die Grundsätze des Glaubens und das Schicksal des Menschen im Leben nach dem Tod. Der Koran enthält Schilderungen über frühere Propheten und ihre Gemeinschaften. Er umfasst Gebete und Worte der Inspiration. Er erzählt uns, wie der Schöpfer das Universum gestaltet und wie der Fötus im Mutterleib sich entwickelt. Er prüft Herz und Verstand des Menschen. Auch Seine Gesetze macht Gott bekannt. Der Koran sagt den Menschen, wie sie beten, fasten und für die Bedürftigen sorgen sollen. Er sagt den Menschen, dass sie Gottes Anweisungen einzig Gott zuliebe befolgen sollen, nicht zu weltlichen Zwecken. Er warnt diejenigen, die Gottes Botschaften verleugnen, dass sie in das Höllenfeuer geworfen werden, und er verspricht denen, welche die Botschaft annehmen, dass ihnen die Glückseligkeit des Paradieses zuteil wird. Viel mehr als in der jüdisch-christlichen Bibel ist im Koran spezifisch von Gott die Rede. Unabhängig vom gerade behandelten Thema verweist der Koran die Diskussion auf Gott zurück, indem er einen oder mehrere der göttlichen Namen nennt, wie beispielsweise „Gott ist der Mächtige, der Wissende.“ Gottes Barmherzigkeit und Gnade werden im Koran 192 Mal genannt; auf seinen Zorn wird nur 17 Mal verwiesen. Er behandelt die Wechselbeziehungen des Menschen im Detail - wie etwa Erb- und Ehegesetze. Dennoch ist der Koran nicht nur ein theologisches, juristisches, historisches oder naturwissenschaftliches Werk. Er ist all dies und gleichzeitig nichts davon. Er ist mehr als die Summe seiner Einzelbestandteile.

Die Sunna

Sowohl zu Lebzeiten des Propheten Muhammad als auch nach seinem Tod sorgten seine Gefährten für die Bewahrung seiner Aussprüche und Worte, indem sie sie sammelten und niederschrieben. Jeder solche Bericht über den Propheten Muhammad wird „Hadith“ genannt, während mit dem Begriff „Sunna“ die Lehre und Lebensweise des Propheten bezeichnet wird. Diese ist von zentraler Bedeutung, wenn man den Islam begreifen will, denn ohne „Sunna“ kann man eigentlich nicht verstehen, wie der Islam in die Tat umgesetzt werden soll. Die „Sunna“ ist den Hadith-Büchern enthalten. Muslimische Gelehrte entwickelten ein sehr anspruchsvolles System zur Untersuchung des überlieferten Materials oder „Hadith“, um seine Richtigkeit zu gewährleisten:

  • sie überprüften die Namen der Menschen, die den Propheten Muhammad selbst gehört oder gesehen hatten
  • sie überprüften den Ruf jedes Überlieferers
  • die Überliefererkette wurde geprüft, um zu bestimmen, ob es unter den Überlieferern jemanden gab, der als nicht vertrauenswürdig galt oder ein schlechtes Gedächtnis hatte
  • der Text des Hadith selbst wurde auf Widersprüche zum Koran und anderen verifizierten Überlieferungen geprüft

Anhand der Ergebnisse dieser Untersuchungen wurden die Hadithe in vier Typen eingeteilt: authentisch, gut, schwach oder gefälscht. Nur die ersten beiden Kategorien werden von muslimischen Gelehrten als verbindlich betrachtet.

Zu den namhafteren Sammlungen zählen die des Imam Buchari aus Buchara (einer Stadt im heutigen Usbekistan) und des Imam Muslim aus Persien. Ihre Hadith-Sammlungen gelten als die zuverlässigsten. Deutsche Übersetzungen davon sind im Internet einfach zu finden. Es handelt sich um gesammelte Aussprüche und Handlungen des Propheten, die nach Themen geordnet sind (z.B. Glaube, Werke, Zeugenaussagen, Gebet, Fasten, Almosengabe, Ehe, Finanzen) und in den ersten Jahrhunderten nach der Entstehung des Islam zusammengetragen wurden.

Der muslimische Gelehrte M. Z. Siddiqi fasst den Prozess der Erhaltung der Sunna so zusammen:

„Die Hadithe im Sinne der Berichte über die Aussprüche und Aktionen Muhammads sind seit den frühen Anfängen der islamischen Geschichte bis in die Gegenwart hinein ein Gebiet eifrigen Strebens und ständiger Forschung durch Muslime in der gesamten muslimischen Welt. Noch zu Lebzeiten Muhammads versuchten viele der Gefährten, alles auswendig zu lernen, was er sagte, und beobachteten genau, was er tat; diese Dinge berichteten sie einander. Einige von ihnen schrieben seine Aussprüche in Sahifas (Schriftrollen) nieder, die sie später ihren Schülern vorlasen und die in ihren Familien und auch von ihren Anhängern erhalten wurden.  Als nach dem Tod Muhammads dessen Gefährten sich in diverse Länder aufmachten, unternahmen einige von ihnen sowie auch deren Anhänger lange und beschwerliche Reisen und nahmen Armut und Elend auf sich, um sie zu sammeln...Ihr bemerkenswertes Engagement für den Erhalt und die Ausbreitung der Hadithe ist in der Literaturgeschichte der Welt einmalig... [Und ihre hervorragende wissenschaftliche Leistung bleibt] sogar heutzutage in der Literaturgeschichte der Welt unerreicht.“[3]

Ein Vergleich mit Paulus und den Ursprüngen des Christentums: Paulus hatte Jesus nie kennengelernt; er konnte daher seine Lehren nicht auf Jesus zurückführen. Folglich stieß er auf Widerspruch seitens vieler der Jünger Jesu, die Jesus selbst hatten sprechen hören. Leider wurden viele der im frühen Christentum aufgestellten Aussagen nicht auf Jesus zurückgeführt; im Christentum entwickelte sich nichts, was mit „Hadith“ oder „Sunna“ vergleichbar wäre. Als Folge davon entfernte sich die Religion von der wahren Lehre Jesu.

Koran und Hadith im Vergleich

Die Verse des Koran sind in ihrem Stil einzigartig. Von Reimen bis Prosa gibt es eine ganz bestimmte Art und Weise, in der die Mitteilungen durch spezielle Arten von Satzkonstruktionen dargeboten werden. Die Worte des Propheten Muhammad (Hadithe), welche die Sunna bilden, sind Worte, wie er sie zu den Menschen gesprochen hat und die weder gereimt sind noch mit melodiöser Stimme vorgetragen werden. Es folgt nun ein Beispiel, das den Unterschied im Stil veranschaulicht: Zunächst ein Vers aus dem Koran, dann zwei sehr bekannte Hadithe des Propheten Muhammad.

Koran:

„O ihr, die ihr glaubt, soll ich euch (den Weg) zu einem Handel weisen, der euch vor qualvoller Strafe retten wird? Ihr sollt an Allah und Seinen Gesandten glauben und euch für Allahs Sache mit eurem Gut und eurem Blut eifrig einsetzen. Das ist besser für euch, wenn ihr es nur wüsstet.“

(Koran 61:10–11)

Hadith:

„Je älter ein Mensch wird, umso größer wird sein Wunsch nach zwei Dingen: Wohlstand und ein langes Leben.“

Buchari

„Es ist Pflicht für jeden Muslim, sei es Mann oder Frau, nach Wissen zu streben und sich zu bilden.“

Buchari

Wie man sieht, unterscheiden sich Ton und Stil des Koran im Arabischen deutlich vom Ton der Hadithe; diese sind eher Worte der Weisheit oder Äußerungen eines Lehrers vor seinen Schülern.

  1. [1] Emeritierter Professor für Anatomie und Zellbiologie an der Universität Toronto, Toronto (Kanada). Dr. Moore ist Gründungsmitglied der American Association of Clinical Anatomists (AACA) und war von 1989 bis 1991 Vorsitzender der AACA.
  2. [2] Diese Äußerungen wurden 1981 während der 7. medizinischen Konferenz in Dammam (Saudi-Arabien) gemacht. Der Video-Clip ist hier zu sehen http://www.islamreligion.com/video/moore-1.ram.
  3. [3] M. Z. Siddiqi, Hadeeth Literature: Its Origin, Development, Special Features and Criticism (Calcutta: Calcutta University Press, 1961), S. 4-5

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