Bedürfnis Des Menschen An Religion

Das Bedürfnis des Menschen an Religion ist größer als an anderen Notwendigkeiten des Lebens.  Denn der Mensch muss die Dinge kennen, die Allah gefallen und die Dinge, die Allah nicht gefallen.  Er muss auch Taten verrichten, die ihm Nutzen bringen und andere, die Schaden von ihm abwehren können.  Also ist es das Göttliche Gesetz, das zwischen den Taten, die nutzen, und denen, die schaden, unterscheidet.  Das ist Allahs Gerechtigkeit in Seiner Schöpfung und Sein Licht unter Seinen Dienern, und es ist den Menschen nicht möglich, ohne göttliches Gesetz zu leben, anhand dessen sie unterscheiden können, was sie tun sollten und was sie nicht tun sollten. Wenn der Mensch tatsächlich einen Willen hat, muss er wissen, was er will.  Will er etwas, das ihm nutzt oder was ihm schadet?  Will er etwas, das ihn verbessert oder was ihn zerstört?  Manche Menschen wissen dies von Natur aus, manche kommen durch vernünftiges Nachdenken darauf und manche wissen es nicht, außer durch die Erläuterungen der Gesandten und ihre Rechtleitung [1]

Die atheistischen und materialistischen Ansichten mögen noch so weit verbreitet und ausgeschmückt werden; Ideologien und Theorien gedeihen, der Einzelne und die Gesellschaft können ohne wahre Religion nicht auskommen.  Denn diese Ideologien können die spirituellen und physikalischen Bedürfnisse des Menschen nicht stillen.  Und je mehr sich der Mensch in ihnen vertieft, desto überzeugter wird er davon, dass sie ihm weder Sicherheit geben noch seinen Durst stillen können und dass die wahre Religion unvermeidlich ist.

Ernest Rinan sagte: „Alle Dinge, die wir für teuer halten, können schwinden, und die Freiheit, unseren Verstand, unser Wissen und unsere Kenntnisse zu nutzen, kann wertlos werden.  Aber es ist unmöglich, dass die Religion verschwindet.  Sie wird eher ein lebendiger Beweis für die Falschheit der materiellen Ideologie, die den Menschen auf die verächtlichen Ebenen des irdischen Lebens beschränkt.Siehe Ad-Dien von Muhammad Abdullah Daraaz S. 87.
Muhammad Fareed Wajdee sagte: “Es ist für religiöses Denken unmöglich, zu verschwinden, denn es sind die höchsten und edelsten Neigungen des menschlichen Verstandes, um nicht zu sagen, dass es eine Neigung ist, die den Menschen erhebt.  Anstatt zu schwinden, sollte diese Neigung eher anwachsen.  Die religiöse Natur des Menschen wird ihn immer verfolgen, solange er unterscheiden kann, was schön und was hässlich ist, und diese Natur sollte in ihm der Erhabenheit seiner mentalen Fähigkeiten und seinem Fortschritt im Wissen entsprechend weiter anwachsen.” Ibid. 88.

Wenn sich ein Mensch also von seinem Herrn fernhält, so erkennt er durch die Erhabenheit seiner mentalen Fähigkeiten und die Breite seines Wissens das Ausmaß seiner Unwissenheit über seinen Herrn und was Ihm zusteht und seine Unwissenheit über sich selbst, was gut für ihn ist und was schädlich für ihn ist, was ihm Freude bereitet und was ihm Elend bereiten wird.  Er wird ebenfalls seine Unwissenheit von wissenschaftlichen Details wie Astronomie, die Wissenschaft von den Galaxien, Berechnungen, Nuklearwissenschaften und so weiter feststellen.  Dann, in dieser Zeit wird es sein, dass die Welt das Stadium der Verblendung und Arroganz zugunsten der Demut und Unterwerfung aufgeben und dann glauben wird, dass hinter diesen Wissenschaften ein Wissender und Weiser steckt, und dass hinter der Natur ein Fähiger Schöpfer ist. Diese Realität wird dann den unvoreingenommenen Forscher dazu zwingen, an das Verborgene zu glauben, sich der geradlinigen Religion zuzuwenden und dem Ruf der natürlichen Veranlagung zu folgen.  Wenn der Mensch aber von diesem Weg abdriftet, wird seine Natur einen Rückschlag erleben und er wird auf die Stufe der Tiere herabkommen.

Aus dem oben genannten schließen wir, dass die wahre Religiosität – die vom Glauben an die Einzigkeit Allahs und von der Verrichtung Seinen Anweisungen entsprechender gottesdienstlicher Handlungen abhängt – ein notwendiges Element des Lebens darstellt, so dass der Mensch dadurch seine Dienstbereitschaft Allah, dem Herrn der Welten, gegenüber verwirklicht und hiermit Freude und Sicherheit  vor Zerstörung, Härte und Elend erreicht.  Es ist ebenfalls notwendig, um die theoretische Fähigkeit im Menschen zu vervollkommnen.  Nur hierdurch kann der intellektuelle Hunger gestillt und können die höchsten Ziele erreicht werden.  Dementsprechend ist die Religion ein notwendiges Element zur Reinigung der Seele und zur Verfeinerung emotionaler Stärke, denn die edelsten Gefühle finden in der Religion reichlich Platz und eine Quelle, deren Wasser nicht versiegen, wo edle Gefühle ihre Ziele erreichen.  Sie ist ein notwendiges Element für die Vervollkommnung der Willensstärke, denn sie bietet eine große Unterstützung mit großem Antrieb und den wesentlichen Mitteln, die den Elementen der Verzweiflung vorbeugen.  Angesichts dieser Tatsache müssen wir sagen, wenn manche behaupten, der Mensch sei von Natur aus bürgerlich: „Der Mensch ist von Natur aus religiös“, denn der Mensch hat zwei Kräfte: wissenschaftliche spekulative Kraft und Willensstärke.  Seine vollständige Freude hängt davon ab, seine wissenschaftliche Kraft und seine Willensstärke zu vervollkommnen, und die Vervollkommnung seiner wissenschaftlichen Kraft kann nicht geschehen, außer wenn er folgendes weiß: 

1.   er muss den Wahren Herrn kennen, den Schöpfer und Versorger; Der den Menschen aus dem Nichts geschaffen hat und ihm Seine Gunst gewährt hat; 

2.   er muss Seine Namen und Eigenschaften kennen und alles, das Ihm gebührt; und den Einfluss, den diese Namen auf Seine Diener haben;

3.   er muss den Weg kennen, der zu Ihm führt, gepriesen sei Er;

4.   er muss die Hindernisse und den Schaden kennen, der den Menschen davon abhält, den Weg und die großartige Wonne, zu der er führt, zu erkennen;

5.   er muss wirkliche Erkenntnisse über seine eigene Seele und ihre Bedürfnisse haben, erkennen, was gut für sie ist und was ihr schadet, und ihre Vorzüge und Fehler kennen.

Erst wenn er diese fünf Dinge kennt, kann der Mensch seine wissenschaftliche Kraft vervollkommnen. 

Und die Vervollkommnung seiner wissenschaftlichen Kraft und seiner Willensstärke kann durch nichts anderes erfolgen, als durch das Respektieren der Gesetze Allahs über Seine Diener und durch das aufrichtige, ehrliche Ausführen dieser Rechte, der Sunna des Propheten entsprechend und als Zeugnis Seiner Gunst an ihm.  Es gibt keinen anderen Weg diese beiden Kräfte zu Vervollkommnen, als mit Seiner Hilfe.  Deshalb ist es nötig, auf dem Geraden Weg rechtgeleitet zu sein, auf dem Allah Seine Freunde führte[2].

Nachdem wir erfahren haben, dass die wahre Religion göttliche Unterstützung für verschiedene Stärken der Seele ist, sollten wir auch wissen, dass Religion das Schutzschild der Gesellschaft darstellt.  Dies ist so, weil das menschliche Leben nicht ohne gegenseitige Zusammenarbeit funktionieren kann und diese Zusammenarbeit kann nicht stattfinden, als durch ein System, das die menschlichen Beziehungen regelt, ihre Verpflichtungen festlegt und ihre Rechte garantiert.  Dieses System benötigt auch eine zügelnde und zurückhaltende Autorität, die die Seele davor bewahrt, gegen das System zu verstoßen, sie ermutigt, es zu bewahren, ihre Relevanz garantiert und die Menschen davon abhält, es zu entweihen. 

Was ist also diese Kraft?

Es gibt auf dieser Erdoberfläche keine Kraft, die es mit der Kraft der Religiosität aufnehmen könnte, wenn es um die Garantie des Respekts der Ordnung, des gesellschaftlichen Zusammenhalts, der Stabilität des Systems und die Harmonisierung der Mittel zu Ausgeglichenheit und Ruhe in der Gesellschaft geht.

Das Geheimnis hierfür ist, dass sich der Mensch von den anderen Lebewesen darin unterscheidet, dass alle seine freiwilligen Bewegungen und Taten von einem unhörbaren und unsichtbaren Element kontrolliert werden.  Dieses Element ist der Glaube, der die Seele läutert und die Glieder reinigt.  Der Mensch wird daher immer von einem wahren oder falschen Glauben kontrolliert.  Wenn dieser Glaube richtig ist, wird alles an ihm richtig sein, aber wenn sein Glaube korrupt ist, ist alles an ihm korrupt. 

Die Aqida (Glaubenslehre) und der Iman (Glaubensstärke) sind beide persönliche Beobachter und Wächter des Menschen; und sie sind – wie an allen Menschen festzustellen ist – von zwei Arten:

  • Glaube an den Wert moralischer Vorzüglichkeit, menschlicher Würde und anderer Konzepte, gegen die verständige Menschen aus Scham nicht verstoßen würden, selbst wenn sie keine äußeren Konsequenzen zu befürchten und materiellen Lohn dafür hätten. 
  • Glaube an Allah – gepriesen und erhaben ist Er – und die Tatsache, dass Er der Wachende ist, Der die Geheimnisse und das Verborgene kennt; von Dessen Befehlen und Verboten das islamische Gesetz seine Kraft ableitet und vor Dem die Sinne sich übermäßig schämen, entweder aus Liebe zu Ihm oder aus Furcht vor Ihm oder beidem.  Es besteht kein Zweifel daran, dass diese Art des Glaubens der stärkere darin ist, Autorität über die menschlichen Verstand auszuüben.  Er ist auch stärker darin, den Tornados der Einflüsterungen und der Unbeständigkeit von Gefühlen zu widerstehen und schneller darin, die Einflüsse auf den Verstand der Menschen und ihrer Führer zu verlassen.

Deshalb ist Religion der beste Garant für die Errichtung von Beziehungen zwischen den Menschen auf der Grundlage von Gleichheit und Gerechtigkeit, die eine Notwendigkeit in jeder Gesellschaft darstellen. Es ist daher kein Wunder, dass Religion in der menschlichen Gesellschaft die Stellung des Herzens im menschlichen Körper innehat.[3]

Wenn dies die Stellung der Religion im allgemeinen ist – und was wir in der heutigen Welt an zahlreichen Religionen und Glaubensrichtungen sehen, wo jede Gruppe sich ihres Glaubens erfreut und eisern daran festhält – welche ist dann die wahre Religion, die dem menschlichen Verstand das bietet, wonach er sich sehnt?  Und welches sind die allgemeinen Kriterien für die Wahre Religion?


Referenzen

  1. siehe At-Tadmuriyyah von Schaikh-ul-Islaam Ibn Taymiyyah S. 213-214; und Miftaahu daaris-Sa‘aadah 2 / 383.
  2. Al-Fawaaid 18,19
  3. Ad-dien S. 98, 102.
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