Alles, das zuvor zur Situation des Judentums, Christentums, Mazdaismus, usw. erklärt wurde, zeigt die Situation der Menschheit (siehe den Abschnitt ‘Ausgangslage der existierenden Religionen’ in diesem Buch) im 6.Jahrhundert n.Chr., als die Religion verdreht wurde, und alle politischen, sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen ebenfalls verdreht wurden; in einer Zeit in der blutige Kämpfe weit verbreitet waren, Diktaturen gebildet und die Menschheit in ziemlicher Dunkelheit lebte. Diese Situation führte zu der Dunkelheit der Herzen als Ergebnis des Unglaubens und der Unwissenheit. Sitten verfielen, Ehre und Rechte wurden verletzt und Unheil wurde an Land und auf dem Meer zur Tagesordnung. Die Situation war so schrecklich, dass wenn ein weiser Mann darüber nachdenken würde, würde er zu dem Schluss kommen, dass die Menschheit – in jener Zeit – am Sterben war und dass sie einem Abgrund ohne Ausweg entgegeneilte, hätte Allah sie nicht mit einem großen Reformer gerettet, der die Fackel des Prophetentums trug und das Licht der Rechtleitung, um der Menschheit den Weg zu weisen und sie auf den geraden Weg zu führen.
Zu jener Zeit gestattete Allah, dass sich das immerwährende Licht des Prophetentums von Mekka her ausbreitete, wo das Große Gotteshaus steht.Die mekkanische Umgebung war wie die anderen menschlichen Umfelder, was die Mehrgötterei, die Unwissenheit, Ungerechtigkeit und Selbstherrschaft angeht, aber sie unterschied sich in vielen Eigenschaften von anderen Orten, unter anderem in folgendem:
1.es war eine reine Umgebung, die nicht durch die Verunreinigungen der griechischen, römischen oder indischen Philosophie beeinflusst worden war. Ihre Ureinwohner pflegten über tief verwurzelte Sprachgewandtheit, einen lebendigen Verstand und außerordentliche Veranlagungen zu verfügen.
2.sie befindet sich im Herzen der Welt. Sie bildet den Mittelpunkt zwischen Europa, Asien und Afrika, ein wichtiger Faktor, der es der ewigwährenden Botschaft leicht macht, sich schnell zu verbreiten und diese Kontinente innerhalb kurzer Zeit zu erreichen.
3.sie war ein sicherer Ort. Allah hatte ihn beschützt, als Abraha (der abessinische König) ihn einnehmen wollte. Auch die benachbarten Reiche der Römer und Perser waren nicht in der Lage gewesen, ihn zu erobern. Sogar sein Handel im Norden und im Süden war gesichert. Das waren Vorboten für die Ankunft eines Edlen Propheten. Allah hat die Bewohner dieser Stadt an Seine große Gunst ihnen gegenüber erinnert.
als Er sagte (im Qur´an, was der Bedeutung nach so übersetzt werden kann):
Haben Wir ihnen denn nicht eine feste Stellung in einem sicheren geschützten Bezirk verliehen, zu dem die Früchte jeder Art zusammengetragen werden als Versorgung von Uns aus?
4. es ist eine Wüstengegend, die viele ihrer guten und empfehlenswerten Charakterzüge wie Großzügigkeit, gute Nachbarschaft, aufrichtige Sorge um die Ehre unter anderen bewahrt hatte – Eigenschaften, die sie zum besten Ort für den Stamm der Quraisch machte, der wohlbekannt war für seine Sprachgewandtheit, rednerische und ehrwürdige Eigenschaften, die ihnen Positionen der Würde und der Führerschaft eingebracht hatten.
Allah wählte Seinen Propheten Muhammad zum letzten aller Propheten und Gesandten. Er wurde im 6.Jahrhundert n.Chr. in Mekka geboren, ungefähr im Jahr 570. Er wuchs als Waisenkind auf, denn sein Vater starb, als er noch nicht geboren war. Seine Mutter und sein Großvater väterlicherseits starben, als er sechs Jahre alt war. Daher sorgte sein Onkel für ihn, und er wuchs als Waise auf. Zeichen außerordentlicher Klugheit zeigten sich an ihm; und seine Gewohnheiten, Manieren und Charakterzüge waren anders als die seines Volkes. Er hatte nie gelogen und nie jemanden verletzt. Er war für seine Ehrlichkeit, Sittlichkeit und Aufrichtigkeit so sehr bekannt, dass viele seines Volkes ihm ihre wertvollen Besitztümer anvertrauten und er gab darauf acht, wie auf sein eigenes Leben und seinen eigenen Besitz. Dies brachte ihm den Beinamen „Al-Amin“ (der Vertrauenswürdige) ein. Er war genügsam und schüchtern und zeigte sich niemals nackt vor jemandem, seit er in das entsprechende Alter gekommen war. Er war einfach und fromm und fühlte sich verletzt, wenn er sein Volk die Götzen anbeten, Alkohol trinken und unschuldiges Blut vergießen sah. Er schloss sich ihnen nur bei den Taten an, die er liebte und die ihm gefielen und hielt sich von ihnen fern, wenn sie ihren schamlosen Taten und Sünden nachgingen. Er half den Waisen und den Witwen und speiste die Hungerleidenden. Als er fast vierzig Jahre alt war, fühlte er sich angesichts der Korruption um ihn herum höchst unbehaglich und begann, sich zurückzuziehen, um seinen Herrn anzubeten, und er bat Ihn um Rechtleitung zum geraden Weg. Als er in diesem Zustand war, kam einer der Engel mit der Offenbarung von seinem Herrn hinab und befahl ihm, diese Religion der Menschheit zu verkünden; sie dazu aufzurufen, Allah allein anzubeten und damit aufzuhören, andere neben Ihm anzubeten. Dann ging die Offenbarung von Anweisungen und Regelungen Tag für Tag und Jahr für Jahr weiter, bis Allah diese Religion für die Menschheit vervollkommnet und Seine Gunst an ihnen mit dieser Vollkommenheit erfüllt hat. Nachdem der Gesandte Allahs seine Pflicht erfüllt hatte, ließ Allah ihn sterben. Er hat 63 Jahre gelebt; 40 Jahre vor seinem Prophetentum und 23 Jahre als Prophet und Gesandter.
Wer über die Bedingungen der Propheten nachdenkt und ihre Geschichten studiert, wird mit Sicherheit feststellen, dass das Prophetentum keines anderen Propheten so wie das des Propheten Muhammad etabliert wurde. Wenn du darüber nachdenkst, wie das Prophetentum von Musa und ´Isa übermittelt worden war, dann weißt du, dass es auf einander folgte. Aber die Folge, in der der Prophet Muhammad geschickt wurde, war größer, stärker und frisch. Dementsprechend war auch die Reihenfolge, in der ihre Wunder übermittelt wurden, ähnlich, aber das womit die Wunder Muhammads übermittelt wurden, war großartiger, denn er hatte viele Wunder und das größte davon war der Glorreiche Qur´an, der noch immer weiter in Ton und Schrift übermittelt wird [1].
Wer einen Vergleich zwischen dem anstellt, was die Propheten Musa und ´Isa gebracht haben und dem, was der Prophet Muhammad an wirklichem Glauben, weisen Anordnungen und nützlichem Wissen gebracht hat, wird mit Sicherheit feststellen, dass alle von ihnen von einem einzigen Licht stammen: dem Licht des Prophetentums. Wer die Bedingungen der Anhänger der Propheten mit denen der Anhänger Muhammads vergleicht, wird mit Sicherheit feststellen, dass die Anhänger Muhammads die besten der Menschen waren und diejenigen, der Anhänger der Propheten, die den meisten Einfluss auf die, die nach ihnen kamen, besessen haben. Sie haben den islamischen Monotheismus verbreitet, sich für Gerechtigkeit eingesetzt und waren gnädig zu den Schwachen und Bedürftigen[2].
Wenn du zusätzliche Beweise für Muhammads Prophetentum wissen willst, werde ich dir die Beweise und Zeichen zitieren, die ´Ali bin Rabban at-Tabari gefunden hat, als er Christ war. Später hat er aufgrund dieser Zeichen den Islam angenommen. Sie sind:
1.Der Gesandte rief zur Anbetung Allahs Allein auf und zur Aufgabe der Anbetung anderer neben Ihm. Hierin stimmte er mit allen anderen Propheten überein.
2.Er zeigte deutliche Zeichen, die nur Propheten Allahs zeigen können.
3.Er sagte zukünftige Ereignisse voraus und sie geschahen, wie er sie vorausgesagt hatte.
4.Er sagte das Auftreten vieler Ereignisse in der Welt voraus und in welchen Ländern, und diese Ereignisse geschahen, wie er sie vorhergesagt hatte.
5.Dass das Buch, das Muhammad gebracht hat – der Qur´an – ein Zeichen seines Prophetentums darstellt, denn es ist von schönster Sprachkunst, einem ungelehrten Mann herabgesandt, der weder lesen noch schreiben konnte, aber damit die Redner herausforderte, etwas derartiges wie eine Sure [3] davon hervorzubringen; und aufgrund der Tatsache, dass Allah seine Bewahrung garantiert, den korrekten Glauben damit erhält, es als vollkommene göttliche Anweisung garantiert und damit die beste Gemeinschaft gründete.
6.Dass er das Siegel der Propheten ist und wenn er nicht gesandt worden wäre, dann hätten sich die Ankündigungen der vergangenen Propheten, die die frohe Botschaft von seiner Ankunft verkündet hatten, als falsch erwiesen.
7.Dass alle Propheten lange Zeit vor seiner Ankunft Voraussagen über ihn gemacht hatten. Sie haben seine Mission beschrieben, sein Land und die Unterwerfung anderer Nationen und Könige durch ihn und seine Nation. Sie erwähnten ebenfalls die Verbreitung seiner Religion.
8.Sein Sieg über Nationen, die Krieg gegen ihn geführt haben, als Zeichen seines Prophetentums; denn es wäre für einen Mann unmöglich gewesen, der fälschlicherweise behauptet hätte, der Gesandte Allahs zu sein, dass er durch Allah mit Sieg, Vorherrschaft und Geltung über seine Feinde gestärkt worden wäre, seine Botschaft verbreitet und eine Vielzahl von Anhängern bekommen hätte; denn all dies kann nicht eintreten außer durch die Hand eines wahren Propheten.
9.Seine religiösen Riten und gottesdienstlichen Handlungen, sein Anstand, seine Ehrlichkeit, sein vorbildlicher Charakter, sein Benehmen und seine Anordnungen. All dies kann man nicht zusammen an einem Menschen finden, außer an einem Propheten.
Nachdem er diese Beweise erwähnt hatte, sagte dieser rechtgeleitete Mann: „Dies sind erleuchtende Züge und genügende Beweise. Wer mit ihnen begabt wurde, muss ein Prophet sein; eine solche Person hat das Ziel getroffen und war erfolgreich; und der Glaube an ihn ist Pflicht. Wer diese Beweise ablehnt und verneint, hat einen Verlust seiner Bemühungen herbeigeführt und sein weltliches Leben und das Jenseits verloren[4].
Am Ende dieses Abschnitts will ich euch von zwei Zeugnissen erzählen: von dem des früheren römischen Königs, der ein Zeitgenosse des Propheten Muhammads war, und das des zeitgenössischen christlichen Evangelisten John Cent.
Referenzen
- Siehe auch den Abschnitt über den Qur´an in diesem Buch
- Majmoo‘ al-Fataawaa Bd. 4 S. 201, 211; und Ifhaamul yahood von Samaw’al Al-Magribi S. 58-59.
- Sure bedeutet wörtlich Grad; islamisch gesehen ist damit ein Abschnitt im Qur´an gemeint.
- Ad-deen wad-dawla fee ithbaati nubuwwati Muhammad, von ‘Ali bin Rabban At-Tabaranee S. 47. Siehe auch: Al-Islaam von Al-Qurtubee S. 362.